Die kranke Muse
Von Charles Baudelaire; Foto von und mit Ludowika
“Du arme Muse, ach! Was fehlt dir heute, sprich?
Dein hohles Auge ist voll nächtlicher Visionen,
Auf deinem Angesicht, abwechsend sehe ich
Den Wahnsinn und die Angst in kaltem Schweigen wohnen.
Hat blaß das Lustgespenst und dreist der Kobolt dich
Versucht mit Schrecken und mit Liebe zu belohnen?
Welch Alpdruck tauchte dich so wüst und fürchterlich
In ein Minturnae der verrufenen Zauberzonen?
Ich hätte dir gewünscht, dass aus gesunder Kraft
Dein Busen immerzu erlauchte Werke schafft,
Dein christlich Blut sollt sich in festem Takt ergießen,
So wie die Rhytmen der antiken Verse fließen,
Wo Phoebus, dem die Kunst des Sängers untertan,
Wie auch der Ernte Herr regiert, der große Pan.”

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