Weingeist

Ich kann dir eine Geschichte erzählen Von Drachen und so anderem Getier. Doch wahr. Fürwahr! Ist die Geschichte aus dem letzten Jahr: Da legte sich mir zu im Traum. Ein Engel an den Apfelbaum. Erst schwieg er grausam lang für mich. Als dann er über die Augen mir strich. Ich weiß noch genau, Er sagte zu mir: „Du! Trauriges Kind, dass da liegt im Frühling so lau! Ich will die Muse deiner sein So wie der klare Apfelwein!“ Ich gewahr ihm seinen Wunsch Fortan wir woben so manches Gespinn Die Feder tanzte des Nächtens dahin. Die Worte flossen dem Riesling empor Und ich sang dem Engel ein Liedlein vor. Was wäre nur geschehen, hätte ich den Engel nicht gesehen? Was, oh was, was wär’ mir passiert, Hätte ich die Zweige im Wind nicht studiert? Wir liefen zusammen in den Wald hinein. Blieben so lang am trauten Hain. Wir lachten und sangen Die Nächte zierten unsre’ blassen Wangen. Doch dann kam der Tag, An dem der Engel seiner Sehnsucht erlag. Er erhob sich in dem holden Schein Und ließ mich mutterseelenallein. Breitete die feuerroten Schwingen Ich höre ihn noch heute singen. Denn Wein und Geist Einem Engel nichts Gutes verheißt. Weingeist.
Poetrty + Photography by Ludowika
Mai 5, 2008 um 9:42
hmh. gut gefallen. klingt sehr nach der Geschichte, die ich gestern erlebte - ich versuche sie noch in Worte zu fassen.
von lilitha hierhergekommen, mit Empfehlung.
Mai 6, 2008 um 10:53
Dann haben wir etwas gemeinsam

Freut mich, dass du dich hier eingefunden hast!
Lass dich nicht stören
Mai 14, 2008 um 4:46
Trotz der überzeugenden Reime kommt es mir hier vor, als würde ich einen Prosa-Text lesen, weil mich doch alles zu sehr an die gute alte Märchenstruktur erinnert. Ich hätte es auch selbst vermutlich etwas anders gesetzt. Ich finde auch hier überwiegt klar die Bildsprache in Verbindung zum Titel, so dass für mich irgendwie mehr das hinzugefügte Bild, oder vielmehr dessen Sinn, als der eigentliche Text im Vordergrund steht. Oder hab ich da was falsch verstanden?