Archiv nach Kategorie "Art"

Weingeist

Veröffentlicht in Art, In Vino Veritas, Photography, Poetry bei Mai 2, 2008 von ludowika

Ich kann dir eine Geschichte erzählen
Von Drachen und so anderem Getier.
Doch wahr. Fürwahr!
Ist die Geschichte aus dem letzten Jahr:
Da legte sich mir zu im Traum.
Ein Engel an den Apfelbaum.
Erst schwieg er grausam lang für mich.
Als dann er über die Augen mir strich.
Ich weiß noch genau,
Er sagte zu mir:
„Du! Trauriges Kind, dass da liegt im Frühling so lau!
Ich will die Muse deiner sein
So wie der klare Apfelwein!“
Ich gewahr ihm seinen Wunsch
Fortan wir woben so manches Gespinn
Die Feder tanzte des Nächtens dahin.
Die Worte flossen dem Riesling empor
Und ich sang dem Engel ein Liedlein vor.
Was wäre nur geschehen,
hätte ich den Engel nicht gesehen?
Was, oh was, was wär’ mir passiert,
Hätte ich die Zweige im Wind nicht studiert?
Wir liefen zusammen in den Wald hinein.
Blieben so lang am trauten Hain.
Wir lachten und sangen
Die Nächte zierten unsre’ blassen Wangen.
Doch dann kam der Tag,
An dem der Engel seiner Sehnsucht erlag.
Er erhob sich in dem holden Schein
Und ließ mich mutterseelenallein.
Breitete die feuerroten Schwingen
Ich höre ihn noch heute singen.
Denn Wein und Geist
Einem Engel nichts Gutes verheißt.
Weingeist.

Poetry + Photography by Ludowika

© Ludowika

Die Muse lacht

Veröffentlicht in Art, In Vino Veritas, Poetry, Uncategorized bei April 29, 2008 von ludowika

Poetry by Ludowika

Warum bist du
Einfach so
Nicht herzlich froh
Mit deinen Gedanken irgendwo?
Du warst verspielt
Und lüstern weiß ich noch
Komm, sprich du falsche Muse ach!
Komm, falsche Muse, lach!
Wirf doch dein Haar
Und spiele mir
So manche Symphonien vor.
So im Tanze verwischt sich
Dein Liedstrich.
Halte doch die Zigarettenkippe
An deiner vollen Unterlippe.
Ich male dich,
Wie einst du mich
Und dein Liedstrich
Verwischt sich.
Ach, du falscher Schwan
Bist ein komplizierter Mann!
Mit mir so verwandten
Ecken und Kanten.
Komm falsche Muse
Sieh nicht weg
Sieh ein
Bereite dein Gespinst
Über mich und kühlem Wein!
© Ludowika

Der Muse letzter Wille

Veröffentlicht in Art, Gestört, In Vino Veritas, Photography, Poetry bei April 23, 2008 von ludowika

Poetrty + Photography by Ludowika

Ich gewähre dir noch einen Wunsch.
Damit du schlafen kannst
Und sich deine Augen schließen.
Damit die Schmerzen enden schnell
Sich Tränen über deinem Bett ergießen.
Oh, du einst so holde Maid,
Was widerfuhr dir? Welches Leid?
Deine Schönheit ist längst verblasst
Und deine Brust hat lange niemand angefasst.
So hold du warst,
So bist du jetzt
Ein hässlich Weibe
Mit einem vertrocknetem alten Leibe.
Komm alte Muse!
Sag mir schnell!
Draußen wird es langsam hell
Und du atmest schon so schwer.
Was ist dein allerletztes Begehr?
Ich bin bei dir
Du kannst dir sicher sein,
Ich vertreibe mir die Zeit mit Wein.
Selbst an deinem Grabstein.
Der Muse letzter Wille
Ist die gottverdammte Totenstille

Im Auge des Betrachters

Veröffentlicht in Art, Gestört, Photography, Poetry bei April 17, 2008 von ludowika

Die kranke Muse

Von Charles Baudelaire; Foto von und mit Ludowika
“Du arme Muse, ach! Was fehlt dir heute, sprich?
Dein hohles Auge ist voll nächtlicher Visionen,
Auf deinem Angesicht, abwechsend sehe ich
Den Wahnsinn und die Angst in kaltem Schweigen wohnen.
Hat blaß das Lustgespenst und dreist der Kobolt dich
Versucht mit Schrecken und mit Liebe zu belohnen?
Welch Alpdruck tauchte dich so wüst und fürchterlich
In ein Minturnae der verrufenen Zauberzonen?
Ich hätte dir gewünscht, dass aus gesunder Kraft
Dein Busen immerzu erlauchte Werke schafft,
Dein christlich Blut sollt sich in festem Takt ergießen,
So wie die Rhytmen der antiken Verse fließen,
Wo Phoebus, dem die Kunst des Sängers untertan,
Wie auch der Ernte Herr regiert, der große Pan.”

Der Poet

Veröffentlicht in Art, In Vino Veritas, Music bei April 7, 2008 von ludowika
Music by Schandmaul; Art by Ludowika
Ich bin ein Mensch der Worte,
Die Welt erscheint mir still,
Zu füllen allerorten,
Mit Text wie ich es will.
Mein Leben ist ein Märchen,
Erzählt von mir daselbst.
Ich bin ein Mensch der Worte. Bin Poet.
Ich bin ein Mensch der Wonne.
Gleich Rosenblüten zart,
Gefallen meine Worte,
Der eitlen Frauen Art.
Kein Tor bleibt mir verschlossen,
Ich kann zum Herzen sehn’.
Ich bin ein Mensch der Wonne. Ein Poet. [...]

Ich bin kein Mensch von Adel,
Doch preis’ ich hier und da,
Die großen Heldentaten,
Der wack’ren Herrscherschar.
Bei Hof fehlt mir der Wind der Freiheit,
Der mich stets umweht.
Ich bin kein Mensch von Adel . Bin Poet. [...]

Ich bin ein Kind der Straße,
Mein Heim, das ist die Welt.
Schenk’ meinen Vers der Gasse,
Ganz so wie es mir gefällt.
Mein Leib gleicht einer Feder,
Er schreibt auf seinem Weg.
Die Geschichte meines Lebens. Bin Poet.

Frei leb’ ich dieses Leben,
frei meiner Worte wegen,
frei geh ich meinen Weg,
bis diese Zeit zu Ende geht.
Lass dir die Worte bringen,
sie in deinen Ohren klingen,
bis du sie dann verstehst,
und dann sei der Poet!

Wenn ich tot bin II

Veröffentlicht in Art, Gestört, In Vino Veritas, Music bei März 28, 2008 von ludowika
Art by Ludowika

tanz-des-todes.jpg vom-tod.jpg himmel.jpg

Wenn ich tot bin, wenn ich tot bin,
wenn ich tot bin dann sollst du tanzen tanzen
© Ludowika

Auszüge aus “Ein Aas”

Veröffentlicht in Art, Gestört, Poetry bei März 23, 2008 von ludowika
Von Charles Baudelaire; mit Zeichnungen von Ludowika
„Erinnere dich, mein Herz, an jenen Sommermorgen,
Den wunderbaren, warmen Tag:
Da war ein schmählich Aas, am Straßenrand geborgen,
Das nackt auf Sand und Steinen lag,
Die Beine weit gespreizt, gleich einem geilen Weibe,
Und von erschwitzten Giften voll,
Dem weit geborstenen und schamlos offenen Leibe
Ein widriger Geruch entquoll. […]
Der Himmel blickte auf das prächtige Gerippe,
Das blühend sich zu öffnen schien.
Noch ärger wurde der Gestank, mit bleicher Lippe
Sankst beinah auf das Gras du hin. […]
Die Formen schwanden hin, wie sie im Traum sonst
Wie ein Entwurf erst und ein Plan
Auf längst vergeßnem Blatt, der nur in den Gedanken
Des Künstlers sich vollenden kann. […]
-Allein, einst wirst auch du dem Unrat ähnlich werden,
Wirst schrecklich sein und grauenhaft,
Du meiner Augen Stern, o Sonne mir auf Erden,
Mein Engel, meine Leidenschaft!
Ja, so wirst selber du, o Königin der Wonnen,
Einst nach der letzten Ölung sein,
So wirst du unterm Gras, von Blüten übersponnen,
Verwesen zwischen dem Gebein.
Dann, Schönste mag durch dich auch das Gewürm erfahren,
Das küssend sich dir zugesellt:
Gestalt und göttlichen Gehalt will ich bewahren
Der Liebe, die in dir zerfällt!”
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“Sage nicht, ich wäre schön!”

Veröffentlicht in Art, Gestört, Poetry bei Januar 24, 2008 von ludowika

Über Schönheit.

Schönheit ist bedingt.

Schönheit ist eine kognitive Wahrnehmung von Nichtigkeiten.

Schönheit ist eine bewusste Resignation von wahren Werten.

Schönheit ist eine erzeugte Charakterschwäche.

Schönheit ist die genetische Weitergabe von Nichtigkeiten.

Schönheit ist eine Erscheinung der Überflussgesellschaft,

die darauf abzielt die Konsumbereitschaft Leichtgläubiger zu steigern.

Schönheit ist personifizierte Eintönigkeit.

Schönheit ist nur eine Seite der Medaille.

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Zusatz Jänner 08:

Schönheit ist ein Privileg derjenigen, die sonst nichts können.

© Ludowika

Treue dem Wein

Veröffentlicht in Art, In Vino Veritas, Photography, Poetry bei Januar 18, 2008 von ludowika

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Die Elfe an meiner Wand

Hält einen Raben in ihrer Hand.

Sie neigt sich und biegt sich,

Denkt sie wäre allein.

Ich werfe nach ihr mit einer Flasche voll lieblichen Wein.

Gescholten voll Furcht und trocken im Sand,

Fliegt der Rabe aus ihrer Hand.

Er wäre so frei

Und frei mit ihr.

Dennoch fliegt er weg von hier.

Ich bin frei

Und frei nur allein.

Mir treu sei der Wein.

Ganzallein.

© Ludowika

Grenzenlos

Veröffentlicht in Art, Gestört, Poetry bei Dezember 13, 2007 von ludowika

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Du!

Sei der Tag!

Die Nacht ist schon angebrochen,

Doch ich will nicht schlafen.

Ich will nicht ruhen.

Über mir, die Sterne.

Zeigen sich, wie schon vor so langer Zeit.

Du!

Sei meine Grenze!

Denn ich gehe zu weit.

Zeig mir wo der Himmel anfängt

Und wo du aufhörst.

Du bist so groß.

Viel größer noch als ich.

Ich bin so klein neben dir.

Darum grenz mich ab, wenn du mich schon nicht ausgrenzt.

Du!

Sei die Nacht

In der ich nicht schlafen kann.

Und wo es keine Grenzen gibt.

Kein guter Geschmack.

Kein ich noch du.

Kein Himmel.

Kein Boden unter den Füßen.

Grenzenlos.

Du!

Lach mich nicht aus!

Ich trag das nicht.

Die Stunde ist denkbar schlecht gewählt

Und ich werde dich nicht gehen lassen.

Also entspanne deine Lippen

Und schenk sie mir!

Und sei grenzenlos!

Du!

Du, bist die Kette.

Zerrissen.

Fallen alle Perlen zu Boden.

Ich schöpf’ sie zusammen.

Aber finde sie nicht.

Wieder.

© Ludowika