Archiv für Charles Bodelaire

Der Schönheit ein Loblied

Veröffentlicht in In Vino Veritas, Poetry mit den Tags , , , , , am Mai 9, 2008 von ludowika

Von Charles Bodelaire – Auszüge

“Dein Blick zugleich höllisch und göttlich rein
Giesst durcheinander die Wohltaten aus und die Sünden
Und deshalb sollst du dem Weine verglichen sein!” [...]

“Enttauchst du dem Abgrund oder entschwebst du den Himmeln
Der Dämon folgt gefüg deiner Zauberkraft -
Du lässest nach Laune, Freude und Unheil wimmeln
Du lenkest alles und nie gibst du Rechenschaft.

Du trittst über Tote – o Schönheit – und höhnst unsre Leiden
Die Schrecknis ist dir ein Schmuck der dich reizvoll umschmiegt
Der Mord ist das liebste dir unter allen Geschmeiden
Das schmeichelnd an deinem stolzen Leibe sich wiegt.

Der Falter flattert geblendet hinauf zu dir – Kerze!
Er knistert und spricht verbrennend : ich segne dich Licht!
Es beugt sich – ein Sterbender der sein Grabmal Herze
Der Liebende zuckend auf seiner Geliebten Gesicht.

Komm du nur aus Himmel aus Hölle – gleichviel welchen Orten!
O Schönheit bald maasslos erschrecklich und bald wie ein Kind!
Erschliesst nur dein Lächeln dein Blick und dein Fuss mir die Pforten
Des Alls das ich liebe, die stets mir verschlossen sind!

Ob Gott oder Satan, ob Engel oder Sirene:
Mach nur – samt-äugige Zauberin – dass nicht zu sehr
- O Klang, Duft und Licht! O Herrin die ich ersehne! -
Die Erde mir hässlich ist und der Augenblick schwer!”

Im Auge des Betrachters

Veröffentlicht in Art, Gestört, Photography, Poetry, Writing mit den Tags , , , , , , , , , , am April 17, 2008 von ludowika

Die kranke Muse

Von Charles Baudelaire; Foto von und mit Ludowika
“Du arme Muse, ach! Was fehlt dir heute, sprich?
Dein hohles Auge ist voll nächtlicher Visionen,
Auf deinem Angesicht, abwechsend sehe ich
Den Wahnsinn und die Angst in kaltem Schweigen wohnen.
Hat blaß das Lustgespenst und dreist der Kobolt dich
Versucht mit Schrecken und mit Liebe zu belohnen?
Welch Alpdruck tauchte dich so wüst und fürchterlich
In ein Minturnae der verrufenen Zauberzonen?
Ich hätte dir gewünscht, dass aus gesunder Kraft
Dein Busen immerzu erlauchte Werke schafft,
Dein christlich Blut sollt sich in festem Takt ergießen,
So wie die Rhytmen der antiken Verse fließen,
Wo Phoebus, dem die Kunst des Sängers untertan,
Wie auch der Ernte Herr regiert, der große Pan.”

Auszüge aus “Ein Aas”

Veröffentlicht in Art, Gestört, Kunst, Poetry, Writing mit den Tags , , , , , , , , , am März 23, 2008 von ludowika
Von Charles Baudelaire; mit Zeichnungen von Ludowika
„Erinnere dich, mein Herz, an jenen Sommermorgen,
Den wunderbaren, warmen Tag:
Da war ein schmählich Aas, am Straßenrand geborgen,
Das nackt auf Sand und Steinen lag,
Die Beine weit gespreizt, gleich einem geilen Weibe,
Und von erschwitzten Giften voll,
Dem weit geborstenen und schamlos offenen Leibe
Ein widriger Geruch entquoll. […]
Der Himmel blickte auf das prächtige Gerippe,
Das blühend sich zu öffnen schien.
Noch ärger wurde der Gestank, mit bleicher Lippe
Sankst beinah auf das Gras du hin. […]
Die Formen schwanden hin, wie sie im Traum sonst
Wie ein Entwurf erst und ein Plan
Auf längst vergeßnem Blatt, der nur in den Gedanken
Des Künstlers sich vollenden kann. […]
-Allein, einst wirst auch du dem Unrat ähnlich werden,
Wirst schrecklich sein und grauenhaft,
Du meiner Augen Stern, o Sonne mir auf Erden,
Mein Engel, meine Leidenschaft!
Ja, so wirst selber du, o Königin der Wonnen,
Einst nach der letzten Ölung sein,
So wirst du unterm Gras, von Blüten übersponnen,
Verwesen zwischen dem Gebein.
Dann, Schönste mag durch dich auch das Gewürm erfahren,
Das küssend sich dir zugesellt:
Gestalt und göttlichen Gehalt will ich bewahren
Der Liebe, die in dir zerfällt!”
aas.jpg durchdiegedanken.jpg schonheitsopfer.jpg verfall.jpg
Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.